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Glockenturm

Im Turm befinden sich 4 Glocken:
Eine kleine Betglocke, 1727 von Mamme Fremy gegossen, mit der Inschrift
„Das Kleine hat die größte Ehr, das Große brummt ihm hinterher“, sowie als besondere Kostbarkeit die bronzene „Marienglocke“.
Ursprünglich 1461 vom Bremer Glockengießer Gert Klinghe für die Kirche in Eggelingen gegossen, wurde sie im Jahr 1540 – nach einer Fehde mit den Ostfriesen –  als „Beutegut“ nach Jever gebracht. Allabendlich läutet sie im Sommer um 22.00 Uhr und im Winter um 21.00 Uhr  –  das so genannte Marienläuten“. Dieses Geläut wurde schon zu Zeiten Marias angeordnet und sollte den Bürgern der Stadt das Ende des Tages und den Beginn der Nachtruhe anzeigen. Ergänzt wird das Geläut durch 2 große Stahlglocken. Diese wurden 1955 in Bochum gegossen, als Ersatz für die im 2. Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeglocken. Ein kleiner Nachguss dieser Glocke kann im Kirchenbüro oder während der Präsenzdienstzeiten in der Kirche erworben werden.

Der Glockenturm steht auf einer Höhe von 12,56 m ü / NN.
Wie bei den meisten ost-friesischen Kirchen steht auch in Jever der Glockenturm separat neben der Kirche. Die Gründe dafür liegen in der Historie; aber besonders sind es die Probleme der Statik auf dem grundwassernahen Untergrund.

Der alte hölzerne Turm  1564 – 1877

Ca 30 m neben dem heutigen Glockenturm
– in Höhe des Hauses „Am Kirchplatz Nr. 7 – stand bis 1877 ein hölzerner Glockenturm.
Auf dem Kirchplatz ist heute nur noch ein Eckstein, ca. 80 cm aus dem Erdreich ragend,sichtbar.

1876:  20-Meter – Klinkerturm

1876 wurde der erste Klinkerturm mit einer Höhe von 20 Metern erbaut. Der jeversche Bauunternehmer Onnen erhielt zum Angebotspreis von 18,30 Mark den Auftrag.
Beim Aushub der Fundamente wurde festgestellt, dass anstatt der geplanten 1,50 m bis auf 6 m ausgeschachtet werden musste, weil 1. der gewachsene Sand/Geestboden erst bei einer Höhe von 7,50 m ü/NN liegt, 2. im Laufe der Jahrhunderte der Kirchhügel weiter aufgeschüttet wurde, so dass die heutige Höhe von 12,56 m ü/NN erreicht  wurde.
Ferner wurde festgestellt, dass 3 Friedhöfe übereinander liegen.

1902:  52,60-Meter – Turm

Im Jahre 1900 wurde ein neues Läutewerk angeschafft. Dabei kam der Wunsch auf, dass der Turm erhöht werde. Nach einem Architektenwettbewerb im Jahre 1902 wurde die Erhöhung des Turmes auf 52,60 m und die Fassadengestaltung beschlossen. Der Turm bleibt damit, in absoluter Höhe mit 65,15 m  – bezogen auf m ü/NN – mit 1,76 Metern unter dem Großherzoglichen Schlossturm von 66,91 m ü/NN.
Die Mauerstärke im Erdgeschoss beträgt 1,72 m  und verjüngt sich nach oben bis auf 52 cm. Am 18. Juli 1902 wurde der Bauunternehmer L.Neddersen aus Hannover-Wilhelmshaven, zum Angebotspreis von 18.300 Mark, mit dem Bau beauftragt. Am 28. Juli 1902 begannen unter der Aufsicht des Architekten H. Bomhoff aus Westerland / Sylt die Bauarbeiten. Trotz Regen und Sturm wurde der Turm am 1. November 1902 fertiggestellt.

Die Baukosten beliefen sich auf:
20-Meter-Turm:
18.300 Mark
4.825 Mark Mehrkosten für das Fundament
Erhöhung auf 52,60 Meter:
18.300 Mark
848 Mark für Blitzableiter und die Zifferblätter der Uhr
2.852 Mark für Architektenkosten und kleinere Arbeiten
Somit hat der Turm insgesamt 45.125 Mark gekostet.

Zum Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Arbeiters lag  bei 800 RM. 1 Liter  Milch  0,18 RM, 1 kg.Kaffee 1,24 RM