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Sankt-Annen-Kapelle

An der Straße nach Wittmund liegt auf der linken Seite hinter einer hohen Friedhofshecke das älteste jeversche Kirchengebäude, die der heiligen Anna, der Mutter der Gottesmutter Maria gewidmete St.-Annen-Kapelle. Sie wurde im Jahre 1610 als Vorstadtkirche erbaut und dient heute als Friedhofskapelle, wird jedoch zunehmend auch für Gottesdienste, Andachten und Konzerte genutzt. Zu ihrer Errichtung sollen Steine verwendet worden sein, die aus dem Abbruch der Klosterkirche Östringfelde (Ortsteil der Stadt Schortens) stammten. Es spricht vieles dafür, dass die heutige St.-Annen-Kapelle eine Vorgängerin gehabt hat, es fehlen jedoch eindeutige Nachweise.

Betritt man das Gebäude, fällt der Blick in dem einfachen Apsissaal sogleich auf einen kleinen Flügelaltar, den St.-Georg-Altar, das älteste erhaltene Kunstwerk in Jever. Auf den beiden Flügeln finden sich zwei auf 1703 datierte Gemälde, links Moses mit der ehernen Schlange (4. Mose 21,8-9) und rechts die Kreuzigung. Der Mittelteil des Altaraufsatzes ist zusammengesetzt aus vier geschnitzten und farbig gefassten Tafeln mit Ereignissen aus der St.-Georg-Legende, die aus vorreformatorischer Zeit stammen und ursprünglich vermutlich zu einem dem heiligen Georg geweihten Seitenaltars gehörten. Im einzelnen sind folgende Szenen der Legende dargestellt (in chronologischer Reihenfolge):
– Die Bürger der Stadt Silena in Libyen versuchen, den Drachen zu überwinden (links/unten),
– St. Georg befreit die Königstochter aus der Gewalt des Drachen (links/oben),
– Die Königsfamilie hat sich hinter einem Taufstein versammelt, um die Taufe zu empfangen (rechts/oben),
– Szene aus dem Martyrium des heiligen Georg (rechts/unten).
Das Bildwerk stammt wahrscheinlich aus dem Umkreis der berühmten „Schule des Meisters von Osnabrück“, wo um 1520 zahlreiche Altäre geschnitzt wurden, z.B. die von Cleverns und Oldorf.

Die von Kunstglasermeister Helmut Henking (später: Helmut Gapinski), Varel, mit verschiedenen Christuszeichen gestalteten Buntglasfenster (elf) hat die St.-Annen-Kapelle 1948 erhalten. Neben dem Kreuz Christi findet man:
– Christus, der Anfang,
– Christus, das Ende,
– Christus, der Herr der Welt,
– Christus, das Wasser des Lebens,
– Christus, der den bitteren Kelch für uns trank,
– Christus, der die Schlange der Versuchung überwand,
– Christus, der über uns das Buch des Lebens führt,
– Christus, der uns mahnt: Darum wachet, denn ihr wisst weder Tag noch Stunde,
– Christus, der für uns Schuld und Schmach ertrug,
– Christus, der uns verheißt: Ich will dir die Krone des Lebens geben.

Bei der vollständigen Renovierung der St.-Annen-Kapelle in den Jahren 1986 bis 1988 hat man davon abgesehen, die 1950 von dem Delmenhorster Kirchenmaler Hermann Oetken (1909 – 1998) geschaffene Ausmalung wiederherzustellen.