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Portale

Jever, Stadtkirche (Nordportal)

IRA DEI CINERES TER ME CONVERTIT IN ATROS
AST EIVS SVPERANS GRATIA RESTITVIT

M D CC VVVV IIIIIIIII = A.D. 1729

“Der Zorn Gottes verwandelte mich dreimal in schwarze Asche,
aber seine [alles] übersteigende Gnade stellte (mich) wieder her.”

Insgesamt vier Mal wurde die jeversche Stadtkirche ein Raub der Flammen, 1382, 1532, 1728 und 1959. Die Inschrift stammt vom 1729 fertiggestellten Wiederaufbau. Nach dem neuerlichen Brand von 1959 wurde die Kirche in einem modernen Stil wiedererbaut; die Portale von 1729 wurden in den Neubau integriert.

Die Inschrift gibt sehr schön das zeitgenössische Verständnis von großen Unglücken als Strafe Gottes wieder. Das Durchhaltevermögen und der Wiederaufbauwille der Gemeinde bzw. Gemeinschaft wird ebenso konsequent als Gnade Gottes angesehen.

Jever, Stadtkirche (Medaillon über dem Nordportal)

DEO.TR. E. IMM. S. AEDES HAEC NUMINE SACROR VINDICE INCEND. HORRIB. A. MDCCXXVIII IX FEBR. HOR. OCT. SOMNUM EXCUTIT U. AD DEF. OSSA PRORS. CONSUMTA DEO PER SSM. PRINCIPES TUM P. CIV. E. EXTER. BENE IUVANTE. SB. REGIM. SMI. JOHANNIS AUGUSTI PR. ANH. PII. IUSTI. PRUD. AD H. ST. REAEDIF. A. MDCCXXX. SEC. M. AUGUST.

Dem dreieinigen Gott und der unbefleckten Heiligen [Jungfrau Maria]  (ist) dieses Gotteshaus (geweiht).

Als die (weltliche) Macht Beschützerin des Gotteshauses war, riss ein schrecklicher Brand im Jahre 1728 am 9. Februar zur achten Stunde (die Menschen) aus dem Schlafe; buchstäblich bis auf die Grundmauern (wurde das Gotteshaus) vollständig zerstört.

Durch Gottes gute Hilfe mittels der durchlauchtigsten Fürsten, ferner der Bürgerschaft und Auswärtiger, (wurde es) unter der Herrschaft des durchlauchtigsten Johann August, des äußerst frommen, gerechten und klugen anhaltinischen Fürsten, in den jetzigen Zustand wiederhergestellt.

Im Jahre 1730 am zweiten Tag des Monats August.

Jever, Stadtkirche (Südportal)

FLUCTIBUS ET FLAMMIS SOMNO REVOCATA JEHVER
A EXCUSSIS TENEBRIS SURGE PARATA DEO

„Von Fluten und Flammen aus dem Schlaf herausgerufen, Jever,
erhebe dich aus den abgeschüttelten Finsternissen, [sei] bereit für Gott.“

Diese zweite Inschrift ist ein Appell an die Stadtgemeinde Jever. „Aus dem Schlaf gerissen“ wurde Jever natürlich auch im übertragenen Sinne. Derartige Unglücke wurden immer wieder als Strafe Gottes für ein zu laues oder falsches Christentum angesehen. Sie galten somit als Aufruf zur Buße, d.h. zu einem Neubeginn in Läuterung.