Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
Offenbarung 21,5
Gedanken zur Jahreslosung 2026
Alles neu? Licht durchbricht das Bild aus dem Kreis in der Mitte. Eine friedliche Wirkung haben diese Weißtöne, die das Bild erstrahlen lassen. Die komplementären Farbpaare Rot-Grün und Blau-Orange lassen die Farben an diesen Stellen besonders leuchten. Durch die runden Formen kommt Bewegung und Energie in das Bild.
Im Bild des Künstlers Michael Willfort zur Jahreslosung 2026 ist aber nicht alles neu. Er hat bekannte Symbole gemalt und vertraute Farben verwendet: Am Kreuz ist Jesus gestorben, die Regenbogenfarben erinnern an den Bund Gottes mit den Menschen nach der Sintflut.
Also ist nicht alles neu? Das wäre auch gegen den Trend: Viele entrümpeln bewusst ihr Leben so wie ihren Keller. Aus ökologischen und ästhetischen Gründen wird ,Upcycling‘ von Bestehendem praktiziert. Beim ,Upcycling‘ – von englisch ,nach oben‘ und griechisch ,kyklos‘: der Kreis – werden bestehende Stoffe und Möbel aufgewertet zu neuwertigen Liebhaberstücken. Aus alten Holzpaletten werden Möbel, aus LKW-Planen Taschen und aus alten Flaschen schöne Lampen. Etwas Neues – aus Altem, Bestehendem.
Und hat der Verfasser Johannes in unserer Jahreslosung aus der Offenbarung wirklich etwas ganz Neues versprochen? Er wollte wohl eher frischen Hoffnungswind für mutlose Christinnen und Christen. Generationen von Menschen hat die Offenbarung des Johannes mit ihren schweren Bildern Angst gemacht, dabei ist sie eigentlich als Trostbüchlein gedacht. Der Autor ist vermutlich nicht der Evangelist oder
Jünger Johannes, sondern ein römischer Staatsbürger – der irgendwann Ärger mit dem Staat bekam. Er war nämlich Christ und dazu Seher und Visionär. Er hatte viel durch- machen müssen. Im Rahmen einer Christenverfolgung im Römischen Reich hatte er wohl hautnah erlebt, was es heißt, geliebte Menschen zu verlieren. Viele Menschen aus seiner Familie, seinem Freundeskreis und seiner Gemeinde wurden getötet. Dazu war Johannes auf eine einsame Insel mit Namen Patmos verbannt worden. Dort fristete er sein trauriges, einsames Dasein, getrennt von seinen Lieben … bis er eine Vision hatte. Der Inhalt dieser Vision ist: Gott kümmert sich um seine Kirche und die Gläubigen. Gott hat einen guten Plan und ein gutes Ende für uns alle. Johannes zückt die Feder und schreibt diese Vision auf. Es wird neu gedeutet. Die Situation bekommt ihr ,Upcycling‘. Und er verpackt sie in eine literarische Form, die im ersten Jahrhundert weit verbreitet war: eine Offenbarung. Das ist eine mit vielen Anspielungen aufs Alte Testament gespickte Geheimsprache.
Was er verkündigt, ist aber auch heute noch topaktuell. Gott hat mit uns etwas ganz Wundervolles vor: „Und Gott wird ab- wischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“ (Offenbarung 21,4). Das hat den verfolgten Christinnen und Christen sicher große Hoffnung gemacht.
Wenn Gott in der Offenbarung verspricht: „Siehe, ich mache alles neu“, heißt es nicht, dass alles Vergangene vorbei und vergessen ist. Auch Jesus selbst trug nach seiner Auferstehung mit den Wundmalen Zeichen seines Leidens. Erfahrungen und Erinnerungen bleiben bestehen, aber sie bekommen neuen Sinn. Manche vermeintlichen Wertstoffe sind allerdings auch fürs ,Upcycling‘ nicht mehr zu gebrauchen. Die können als überflüssig losgelassen werden – in der Kirche und im Leben.
Im Bild scheint dieser Kreis in der Mitte eine weitere Dimension zu eröffnen – eine Tiefe, aus der die Strahlen herausbrechen. Gottes Wirklichkeit strahlt als Neues in unsere Wirklichkeit hinein und bringt neue Hoffnung, neue Gedanken, neues Leben. Eine Hoffnung für die Kirche und fürs Leben: In allen Traditionen und aller Geschichte kommt immer etwas Neues dazu – von oben. Gott sorgt für ein ständiges ,Upcycling‘.
Hannes Schott
© Agentur des Rauhen Hauses Hamburg 2025 • www.agentur-rauhes-haus.de Jahreslosung 2026, Motiv: Lichtkreuz, Illustration von Michael Willfort
